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In der Zeit vom 2. bis zum 10. Dezember besuchten drei Vertreter des Arbeitskreises das Dorf Leffé, um sich die neue Wasserinfrastruktur anzuschauen und gleichzeitig eine Evaluierung des Projektes vorzunehmen. Ein weiterer wichtiger Teil des Besuches war die offizielle Eigentumsübertragung dieser Infrastruktur in die Hände und Verantwortung der Bevölkerung von Leffé.

Die Freude und die Dankbarkeit der Menschen, die unsere VertreterInnen in  Leffé getroffen haben, waren sehr groß. Alle  warten auf den Tag, an dem das saubere Trinkwasser fließt. Und das wird in Kürze der Fall sein.

Gespräche mit Dorfbewohnern und Vertretern des Wasserkomitees

 

Die Frauen von Leffé begrüßen die VertreterInnen unseres Arbeitskreises „Sauberes Trinkwasser für Leffé"

 

Der Vorsitzende von ADIL, Herr André Souassi und Renate Helm von der ESG präsentieren der Dorfbevölkerung den unterzeichneten Übereignungsvertrag, durch den die Wasserinfrastruktur in das Eigentum der Bevölkerung übergeht

 

 

Befragung der Kinder an einer der derzeitigen Wasserstellen.

Eine der Frage lautete: „Was fangt Ihr mit der Zeit an, wenn Ihr nicht mehr so weit laufen müsst, um Wasser zu holen?“

Die Antworten lauteten: „Ich helfe meiner Mutter im Haushalt“, „ich hole Holz“, „ich helfe bei anderen Arbeiten“….  

 

 

Von Douala nach Dschang – der erste Tag in Kamerun

von Renate Helm

 

Morgens um 9.30 Uhr in Douala. In der Nacht zuvor, um zwei Uhr morgens, sind wir gelandet.  Nun machen wir uns auf den Weg nach Dschang. Doch bereits kurz nach der Abfahrt legen wir einen Zwangsstopp ein. Denn schon nach kurzer Fahrt wird klar, dass mit den Bremsen des geliehenen Autos etwas nicht in Ordnung ist - die Bremswirkung tendiert gen Null. Ein Zwischenstopp bei einer Autowerkstatt in Douala ist daher unumgänglich. 

Zwangsstopp in Douala

Der Werkstattbesitzer kümmert sich direkt um unser Auto. Die Räder werden abmontiert und die Untersuchung ergibt, dass die Bremsbeläge an allen vier Rädern stark abgenutzt sind. Eigentlich kein Problem. In einer halben Stunde höchstens könnten die Bremsbeläge ausgetauscht sein und die Fahrt  weitergehen. Doch die Reparatur gestaltet sich  etwas zeitaufwendiger und dass liegt nicht daran, dass langsam gearbeitet wird, nein -  die Suche nach den passenden Belägen ist schwierig. Zwar befinden sich im Kofferraum des Wagens Ersatzbremsbeläge, doch stellt sich heraus, dass nur die Hälfte davon, und zwar die vorderen Beläge, passen, nicht jedoch die hinteren. Unser Auto ist ein Mitsubishi und die Werkstatt hat keine dafür passenden vorrätig. Es wird telefoniert und letztlich findet sich ein Händler, der gerade  noch 1 Paar passende auf Lager hat. Ein Mitarbeiter der Werkstatt wird losgeschickt. Ein halbe Stunde später ist er zurück und dann können auch diese eingebaut werden.

Um die Zeit während des Wartens auf die Bremsbeläge sinnvoll zu nutzen, beschließen wir Geld zu wechseln. Doch das ist gar nicht so einfach.  Bürokratie wird groß geschrieben. In Deutschland wird Bürokratie mit dem Spruch umschrieben „ von der Wiege bis zur Bahre – Formulare, Formulare“.  Das scheint auch in Kamerun in allen Bereich zu gelten. Wir betreten den Laden von Express Exchange bzw. ein Security-Mitarbeiter öffnet uns die Tür und wir sehen einen Raum  voller Menschen, die irgendwelche Geldangelegenheiten regeln wollen.  Wir werden nach unserem Anliegen gefragt und erklären, dass wir Geld wechseln möchten. Nun sollte man meinen, dass wir unsere Euro vorlegen, dafür FCFA erhalten und noch kurz eine Quittung dafür unterschreiben. Doch gefehlt!  Zuerst einmal müssen wir den Laden noch einmal verlassen, um bei einem bestimmten Copy-Shop unsere Pässe fotokopieren zu lassen. Dann, zurück bei Express Exchange, füllen wir ein Formular aus, in dem wir neben der Summe, die gewechselt werden soll, auch Name, Anschrift, Beruf, Pass-Nr. etc. angeben müssen. Dieses Formular übergeben wir samt Passkopie und dem zu wechselnden Geldbetrag einer Mitarbeiterin. Dann müssen wir warteten. Nach ca. 10-15 Minuten werden unsere Namen aufgerufen und wir gehen zum Schalter. Hier müssen wir erneut ein Formular ausfüllen und erhalten dann endlich unser Geld. Insgesamt dauert die Geldwechselaktion ca. eine Dreiviertelstunde.

Zurück zur Werkstatt ist unser Auto fast fertig. Eine Testfahrt ergibt jedoch Geräusche am vorderen rechten Rad. Als auch das behoben ist können wir nach diesem Zwangsaufenthalt von ca. drei Stunden endlich unsere Fahrt nach Dschang fortsetzen.

Aus Douala heraus sind wir damit aber noch lange nicht. Die Straße, die uns nach Westkamerun bringen soll wird zurzeit erneuert und verbreitert. Da mit den Bauarbeiten bereits vor einiger Zeit begonnen wurde, hat man uns schon in Deutschland vorgewarnt - „plant dafür eine weitere Stunde ein“.  Die Information entspricht der Realität. Da über diese Straße der gesamte Verkehr nach Westkamerun läuft ist das Verkehrsaufkommen sehr hoch. Es gibt auch keine vorgegebenen Fahrbahnen, außer der Aufteilung in beide Richtungen und einer Breite, die auf die Planung für je zwei Fahrspuren hindeutet.  Die LKWs, PKWs, Taxis, Mototaxis und Mopeds fahren, für europäische Augen, quer durcheinander.  Jeder sucht den für sich schnellsten Weg, überholt links (manchmal auch rechts), schert schnell wieder ein, meist knapp am Kotflügel vorbei. Der Abstand beim Überholen ist sehr gering. Überholt ein Auto ein Mototaxi oder Moped beträgt der Abstand zwischen der rechten Seite des Autos und dem Bein des Mopedfahrers und seines Passagiers  manchmal nur 20 – 30 cm. Trotzdem laufen auch noch Straßenhändler auf der Straße zwischen den Fahrzeugen herum und bieten ihre Waren an. Da der Verkehr in einem langsamen Stop-and-Go abläuft, beeinträchtigt auch das Anhalten eines Fahrzeugs zum Einkauf den Verkehrsfluss nicht. Gegen Ende verengt sich die Straße dann für ca. 2 km auf nur eine Spur. Das bedeutet, dass es noch ein wenig langsamer vorwärts geht, da das Einfädeln der verschiedenen Fahrzeuge das Tempo verlangsamt. Um die Autofahrer auf die Verengung der Straße hinzuweisen geht ein Polizist auf dem (gedachten) Mittelstreifen und fordert die Fahrzeugführer mit Handzeichen zum Einfädeln auf.

Die Fahrzeuge, die hier verkehren, würden zum größten Teil den deutschen TÜV nicht überstehen, doch die Überprüfung der Fahrtüchtigkeit in Kamerun scheint flexibler gehandhabt zu werden. Rost und Beulen sind noch die einfachsten sichtbaren Zeichen von Alter und Zustand. Darüber hinaus sieht man Autos mit Rücklichtern, von denen nur noch Löcher ohne Glas und Lampe vorhanden sind. Den Zustand von Motor, Bremsen, Getriebe, Spurstange und bei den LKW den Aufbau kann man nur erahnen.

Auch das Höchstgewicht für die Beladung eines Autos oder LKWs scheint Auslegungssache zu sein. Alte Toyota-Corolla, deren gelbe Farbe sie als Taxis ausweist, haben neben 3, 4, 5 Passagieren auch deren gesamtes Gepäck geladen.

 

Taxifahren in Kamerun (links) Lkw schon lange in Gebrauch, ein bißchen schief, aber er fällt nicht um (rechts)

Die Kofferraumtür ist offen und die Ladung ragt aus dem Auto heraus. Gesichert ist sie lediglich durch einen Riemen, der über Teile des Gepäcks gespannt ist. Manche Taxi-fahrer haben an ihrem Wagen Stangen montiert, mit denen die Kofferraumklappe oben gehalten wird. Manchmal verrutscht die Ladung oder es fallen Teile davon aus dem Kofferraum auf die Straße. Dann wird angehalten, die Ladung wird neu verstaut und die Fahrt geht weiter. Nach der vorausgesagten einen Stunde „Fahrtzeit“ durch diese Baustelle erreichen wir dann endlich die Stadtgrenze von Douala. 

Ab da geht es schneller voran. Allerdings bedeutet schneller nicht unbedingt die von deutschen Landstraßen gewohnte Geschwindigkeit von 70 bis 100 km/h. Das sollte man seinem Auto nicht zumuten, denn immer wieder tauchen unvermutet große und tiefe Schlaglöcher auf, die man im Slalom umfahren muss, um seinen Fahrzeugboden, seinen Auspuff oder seine Spurstange nicht zu beschädigen. Dass man dabei bis auf die Gegenfahrbahn ausweichen muss ist nicht so problematisch, man muss nur den Gegenverkehr im Auge behalten. Die Fahrzeuge, die diese Route befahren, ob von einem Dorf zum nächsten oder als Transitstrecke zu weiter entfernten Orten, haben eine ähnlich Fahrweise, wie wir sie schon in Douala beobachten konnten; erschwerend kommt  hinzu, dass am Rand der Fahrbahn schon mal plötzlich Mopeds losfahren, die aber nicht unbedingt in die gleiche Richtung fahren wie man selbst, sondern in die Gegenrichtung – quasi als Geisterfahrer. Die falsche Fahrbahnseite wird so lange genutzt bis der Fahrer eine Möglichkeit sieht auf die in seine Fahrtrichtung verlaufende Straßenseite zu wechseln.

Man sieht hoch beladene LKWs und Busse, bei denen nicht nur eine falsch befestigte Ladung, sondern auch eine nicht mehr korrekte Spureinstellung es so erscheinen lässt, als ob das Fahrzeug jeden Moment auf der Seite landen würde,  doch  - auch wenn sie in Schräglage um eine Kurve fahren – sie bleiben aufrecht.

In allen Orten, durch die wir fahren, werden am Straßenrand  zahlreiche Waren wie Früchte, Holz, Holzkohle, aber auch Möbel usw. zum Kauf angeboten. 

Gemüse- und Obstmarkt am Rande der Straße

Manchmal trifft man auf Frauen oder Kinder, die an einer strategisch gut gelegenen Stelle  zwischen zwei Dörfern ihre Waren zum Verkauf anbieten. Es kann jedoch sein, dass man sie wegen des hohen Grases erst im letzten Moment wahrnimmt.

Die meisten Dörfer, durch die wir kommen, sind Reihendörfer – d.h. die Häuser  sind entlang der Straße gebaut. Ab und zu gibt es ein Haus, welches in zweiter Reihe errichtet wurde, doch weiter weg von der Straße ist keine Bebauung vorhanden. Die Landschaft ist eben, nur ab und zu gibt es eine kleine Steigung. Geprägt ist diese Ebene durch Landwirtschaft, vor allem Ackerbau.

Dann erreichen  wir die Abzweigung nach Dschang. Die Abzweigung ist gut markiert. Neben einem Hinweisschild, auf dem die Richtung nach Dschang  angezeigt ist, weist die Straße eine Markierung auf mit einer schraffierten Fläche und einer Abzweigspur mit Richtungspfeil auf. Die Straße ist an dieser Stelle sehr breit.

Bis zu dieser Abzweigung haben wir zwei Mautstellen durchfahren. Die Mautgebühren  von 500 FCFA pro PKW werden in Kamerun, wo es keine KFZ-Steuer gibt, für den Straßenbau und -erhalt eingesetzt; zumindest sollte es so sein – die Schlaglöcher lassen nicht darauf schließen.  Vor der Abzweigung gibt es eine weitere, die zweite,  Kontrolle durch die Polizei. Dadurch soll kontrolliert werden, welche Personen wohin reisen bzw. wer sich gerade auf der Durchfahrt durch dieses Gebiet befindet. An beiden Kontrollpunkten gibt es für uns keinerlei Probleme.  Äußerungen wie – hier sind Weiße im Auto, da wird wohl alles in Ordnung sein – bringen nur bei der ersten Kontrolle einen kurzen Blick auf die Fahrzeugpapiere, Pässe werden nicht eingesehen. An der zweiten werden noch nicht einmal die Fahrzeugpapiere geprüft. Etwas anderes ist für die Polizisten wichtiger – die Bekämpfung ihres Durstes. So werden wir mit einem strahlend Lächeln an jedem der beiden Kontrollpunkte darauf hinwiesen, dass der Polizist, der uns gerade kontrolliert, wirklich großen Durst hat. Dem helfen wir beide Male durch 500 FCFA ab. Dem zweiten Polizist, der direkt mich anspricht und auf seinen großen Durst aufmerksam macht, sind die 500 FCFA, die ich ihm reiche, nicht genug. Doch als ich seiner Äußerung, dass dieses Geld nur für ein Glas reiche mit der Aussage begegne „das zweite Glas zahlen die Menschen in dem Auto hinter uns“, strahlt er uns an, lacht und winkt uns weiter.

Die ersten 20  Kilometer geht die Fahrt weiter durch die Ebene, doch ist auf der rechten Seite nach relativ kurzer Zeit bereits ein langer Höhenzug  zu erkennen. Dann erreichen wir die Berge. Auf einer sehr steilen Serpentinenstraße fahren wir Richtung hoch nach Dschang. Diese Straße ist fast so etwas wie ein Autofriedhof im Kleinen. Während wir in der Ebene ab und zu ein defektes Auto oder einen LKW am Straßenrand gesehen haben, nimmt die Zahl an dieser Straße zu. Welche Schäden und Defekte dazu geführt haben, dass der Wagen zurückgelassen wurde, ist nicht klar, doch das methusa-lem’sche Alter mancher LKWs lässt es erahnen. Dass man so viele zurückgelassene Fahrzeuge sieht liegt daran, dass es keine Möglichkeit gibt defekte Fahrzeuge abschleppen zu lassen. Ist das Fahrzeug kaputt und der Fahrer nicht in der Lage es zu reparieren, wird es zurückgelassen und rostet so lange vor sich hin bis es zerfällt.

Markt in Dschang

Um 18.00 abends kommen wir dann endlich in Dschang  an. Wir haben für die 211  km lange Strecke von Douala nach Dschang, für die der Routenplaner eine Zeit von knapp drei Stunden berechnet hat,  insgesamt fünf Stunden gebraucht. In der Dämmerung können wir von der Stadt selbst nur wenig  erkennen. Nicht verkennen lassen sich aber die teilweise steil ansteigenden und unbefestigten Straßen, doch sind sie meist besser als die Transitstraße, über die wir von Douala nach Dschang  gelangt sind.       

                                                                              Dschang, 03.12.2015